Maik Baumgärtner und Ralf Zimmermann zeigen bei "Rock für ein buntes Vogtland" 2010 ihren Film über die Neonaziszene im Vogtland: Sie feiern Familienfeste, eröffnen Szeneläden, organisieren Fußballturniere — und festigen damit sowohl eigene Strukturen, als auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. Diese Erkenntnisse über rechtsradikale Gruppierungen in der ländlichen Region sind alles andere als neu.

Der Blickwinkel jedoch, den die Filmemacher Maik Baumgärtner und Ralf Zimmermann mit ihrem Dokumentarfilm „Die Tragödie der Provinz" am 12. Juni den Besuchern des Festivals "Rock für ein buntes Vogtland" zur Eröffnung des Abendprogrammes anbieten, ist es. Denn alle eingangs erwähnten Beispiele sind Aktivitäten der Rechten im sächsischen und Thüringer Vogtland der jüngeren Vergangenheit und damit Inhalt der Doku mit dem Untertitel „Neonazis und Zivilgesellschaft im Vogtland". 

Neben diesen mehr oder weniger gesellschaftlich und rechtlich geduldeten Sachverhalten umfasst der professionell umgesetzte Film aber auch der rechten Szene zuzuordnende Straftaten in der Region. So stellt das Werk von Baumgärtner/Zimmermann eine erschreckende Momentaufnahme über die tatsächlichen Ausmaße des braunen Gedankengutes im Vogtland dar. Darüber hinaus kommen in dem Film jedoch auch viele Menschen zu Wort, die sich gegen dieses Gedankengut engagieren.

Hör- und sichtbar beeindruckt zeigten sich die Personen, die den Film bisher sahen. Auf den Punkt brachte es hier Veit Kern von den Greizer Jusos, nachdem die Doku in Greiz aufgeführt wurde (Bild oben): „Der Film hat die klare Botschaft: Es ist so schlimm wie es aussieht." Und Daniel Kertscher vom Organisations-Team des Festivals meinte: "Es ist so, wichtig, dass wir diesen Film zeigen. Er soll die Leute daran erinnern, wofür das Festival steht."

„Letztlich ausschlaggebend für die Dokumentaion war, als ich im letzten Jahr per Zufall Zeuge des so genannten 'Rudolf Hess-Gedenkturnieres' wurde", meinte der Journalist Baumgärtner zur Entstehung der Dokumentation. Seit zweieinhalb Jahren besuche der Berliner bereits regelmäßig für Recherchen das Vogtland. „Was mir während dieser Zeit ebenfalls auffiel, ist, dass bei Aktionen gegen Rechts eigentlich immer dieselben Leute aktiv sind", sagt er weiter. So suchte er nach der Möglichkeit, mehr Jugendliche zu erreichen und wurde in dem Medium Film und in Kameramann Ralf Zimmermann fündig. Nach den Vor-Ort-Dreharbeiten im März wurde der Film am 19. Mai 2010 in Plauen uraufgeführt. 

Jetzt hofft das Duo auf möglichst viele Vorführ-Anfragen, vor allem von Schulen und Jugendclubs. Bei Interesse können sich interessierte Einrichtungen per E-Mail an kontakt@liberama.de wenden.

Mehr Infos auf der Projekt-Homepage. 

(Edit - Originalfassung erschienen in der Ostthüringer Zeitung Greiz vom 25. Mai 2010)