Ein kleiner Nachdreh
Reichenbach. Es ist 19 Uhr, eine Stunde vor Konzertbeginn. Die ersten Gäste haben sich im Foyer des Reichenbacher Neuberinhaus eingefunden und suchen, wie sich das für eine Rock-Show gehört, zunächst den Weg an die Bar. Die fleißigen Bienchen hinter der selbigen haben bereits alle Hände voll zu tun, was nicht zuletzt an dem Bier liegt, dass vor Freude über den bevorstehenden Konzertabend wortwörtlich schäumt.
Von der Bühne dröhnen bereits die Instrumente. Die drei Plauener Jungs von Smaekma sind fleißig bei den Vorbereitungen, sie werden den Reigen der fünf Bands eröffnen. Ein paar der Musiker hängen auf der Stuhlreihe neben der Bühne ab. Hin und wieder sieht man orange T-Shirts durch den Raum schweben: Das sind die Organisatoren, die dabei sind, das zu tun wofür sie an diesem Abend in erster Linie da sind – organisieren.
19.30 Uhr – in einer halben Stunde geht’s los. Schnell noch einmal die Bands abklappern und fragen, was sie sich vorgenommen haben. Also ab in den Backstage-Bereich, witzigerweise der eigentliche Saal des Neuberinhaus. Erster Halt: Pub’n’Steel, oder was davon gerade da ist. „Was wir uns vorgenommen haben: Nun wir haben uns mit Nils Bergmann den besten Posaunisten Leipzigs mitgebracht. Dazu den besten Saxophonisten“, meint Markus, seine Gitarre im Schoß, „Wir wollen einfach mit den Gästen einen lustigen Abend verbringen. Es ist schön, dass die Stimmung hier so locker ist. Das ist ja schließlich keine Sportveranstaltung.“ Na dann, Sport Frei!!! Die Zeit drängt, also weiter zur nächsten Band.
Diese sitzt nur einen Tisch weiter: Void. „Wir werden einfach hochgehen und Musik spielen“, gibt Schlagzeuger Adrian einen Ausblick, grinst und meint in einem Anfall von Bescheidenheit, „Wir überzeugen sowohl musikalisch als auch optisch.“ Ohne Kommentar wird die Suche nach den verbliebenen Bands fortgesetzt.
Smaekma sind gerade mit dem Soundcheck fertig, also nichts wie hin. „Wir sind hergekommen, um Spaß zu haben und können auch mal vor Leuten spielen, die wir nicht kennen“, so das Statement von André, dem Gitarrero der Plauener, der ganz diplomatisch „allen Bands das Beste wünscht.“ Später wird man ihn übrigens gemeinsam mit seinen Bandkollegen beim Pogo im Moshpit von Pub’n’Steel wiederfinden.
Jetzt sind Wellenbrecher dran und Schlagzeuger Fiedl erklärt zunächst, woran man die Wellenbrecher-Fans erkennt: „Das ist ganz einfach: Jeder, der Schwarz trägt. Die sind komischerweise immer da, wo wir auftreten. Immer diese Groupies.“ Zur Erfolgsstrategie für diesen Abend meint Sänger Matthias: „Ich glaube, wir haben die richtigen fünf Songs für unseren Auftritt ausgewählt. Aber egal wie es läuft, wir sind am 12. Juni an der Göltzschtalbrücke, ob auf der Bühne oder im Publikum.“
One to go: Gerade sind auch Orange Pastelle mit ihrem Soundcheck fertig geworden, also ran an die Bühne und Schlagzeuger Maik befragt. „Wir machen fein lecker Musik“, meint dieser und deutet in Richtung des Gitarristen, „Unsere Geheimwaffe ist René Spitzner. Ohne diesen genialen Musiker würde es uns nicht geben.“
Sprung: Die letzten Töne der Abschlussband Pub’n’Steel verhallen und jede Band sollte irgendwie recht behalten. Es gab fein lecker Musik von allen Gruppen, optisch überzeugende Musiker, jede Menge Groupies und insgesamt einen spaßigen und kunterbunten Abend. Organisator Daniel bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht: „Einfach genial, hat echt meine Erwartungen übertroffen.“ Man sieht zufriedene Gesichter überall, Bands die Kontaktdaten austauschen oder für ein Erinnerungsfoto posieren.
Was bleibt nun von diesem Abend? Zunächst, dass Pub’n’Steel das Festival „Rock für ein buntes Vogtland“ am 12. Juni eröffnen werden. Dass Wellenbrecher, vielleicht schon mit der gewonnenen Demo-CD im Gepäck, dort unter den Zuschauer sein werden. Und, dass es womöglich einen gemeinsamen Auftritt von Smaekma und Pub’n’Steel geben wird.
Festzuhalten bleibt aber auch, dass es nicht so einfach ist, wie es klingt, über 200 Stimmzettel auszuwerten. Dass ohne Strom keine Zugabe gespielt werden kann. Und, dass Bier, wenn es einen schlechten Abend erwischt, überhaupt nicht mehr aufhört zu schäumen. In diesem Sinne, bis zum 12. Juni an der Göltzschtalbrücke…